Erstes Sieb

Der Internationale Wortschatz (IW)

Im ersten Sieb trainiert man, den Internationalen Wortschatz [IW] in verschiedenen Sprachen zu identifizieren. Bedingt durch jahrhundertelange, vielfältige Kontakte über nationale und Sprachgrenzen hinweg wurden viele Wörter in die verschiedensten Sprachen aufgenommen. Ein Großteil dieser Internationalismen hat sich auf lateinisch-romanischer Basis entwickelt, in den letzten Jahrzehnten haben sich — insbesondere aufgrund der technologischen Entwicklungen — vor allem angloamerikanische Internationalismen weltweit verbreitet. Der IW ist das größte Reservoir, aus dem beim Optimierten Erschließen geschöpft werden kann. 

Beim Lesen von Zeitungsartikeln oder Zappen durch Apps überfliegt man oft den Text oder ,liest quer'. Damit beherrscht man schon den ersten Schritt zum Erschließen fremdsprachiger Texte: Wie beim Querlesen erfordert das Erschließen Mut zur Lücke! So sollte man bei einem Text in einer vermeintlich fremden Sprache zunächst auf die Elemente zugehen, die man wiedererkennt und deren Bedeutung man deshalb erschließen kann. Damit kann man sich meistens schon das Wesentliche zusammen,reimen' und darauf aufbauend den Text weiter erschließen.

"Fremd"wörter ??? - Internationalismen!!!

Das gesamte Wissen und Können in allen vorgelernten Sprachen kann als Ressource für das Optimierte Erschließen genutzt werden, auch Verbindungen und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Sprachen.
Auch die erst-/muttersprachlichen Kenntnisse im Deutschen stellen für deutschsprachige Lernende romanischer Sprachen eine wichtige Wissensressource dar - auch wenn das Deutsche nicht zu dieser Sprachenfamilie gehört. Denn bereits das Wissen um das Funktionieren einer Sprache und die Kenntnis ihrer Strukturen stellt eine Ressource dar, die gezielt für das sprachenvernetzende Lernen eingesetzt werden kann.
Erwachsene verfügen über einen umfassenden Wortschatz, der mehrere Tausend sog. Internationale Wörter enthält, also solche, die in verschiedenen Sprachen vorkommen und verständlich sind, ohne dass man sie nochmals lernen müsste, zum Beispiel Hotel, Tourismus oder Demokratie. Wahrscheinlich fallen dir aber noch viele andere Wörter ein, die in verschiedenen Sprachen ähnlich oder sogar gleich sind. Du siehst: Du verfügst bereits über ein großes Reservoir, aus dem du beim Erschließen anderer Sprachen schöpfen kannst.
Am Anfang des interkomprehensiven Arbeitens steht die Sensibilisierung für die Potentiale des eigenen Vorwissens. Vieles kann auf andere Sprachen übertragen und angewendet werden. 

Die internationalen Wörter sind  nicht die einzige Hilfe bei der Erschließung von Texten in anderen Sprachen. Man kann man auch anderes Wissen einsetzen, zum Beispiel all das, was man über das Funktionieren von Sprachen weiß. So kann man ausgehend vom Französischen eine ganze Reihe von typischen Erscheinungen (wieder-)erkennen, zum Beispiel im Spanischen und Italienischen:

Männliche wie weibliche Nomina tragen im Spanischen die bestimmten Artikel el und la, die Pluralbildung lässt sich durch das angehängte <s> erkennen: los und las.

Im Italienischen heißen die bestimmten Artikel im Singular il und la, im Pluralund le (davon gibt es noch Ausnahmen, auf die wir hier aber nicht eingehen).

Du siehst, Regeln im System der beiden Sprachen beginnen sich schon bei der ersten Lektüre abzuzeichnen. So wirst du vielleicht auch schon erkennen, dass im Italienischen die Nomina im Plural anders als z.B. im Französischen und Spanischen enden, nämlich oft mit einem -i (italiani, tedeschi, turisti, Alpi). Mit solchen Phänomenen beschäftigt sich das sechste Sieb detaillierter. Zunächst betrachten wir aber die lexikalischen Ressourcen, also alles, was den Wortschatz angeht, über den Lernende verfügen, in der eigenen Erst-/Muttersprache und allen weiteren Sprachen, die sie gelernt haben.

Pinn Wenn du jetzt also zunächst noch einmal gezielt mit den Fremdwörtern im Deutschen und am eigenen IW arbeiten möchtest, kannst du zuerst mit den beiden Aufgaben an deinem individuellen Repertoire arbeiten.
(Du kannst auch direkt in den Trainingsraum gehen, um mit deinem IW zu trainieren - danach wirst du daraus noch effektiver für die romanische Interkomprehension schöpfen können!)

 


Überlege: Welche "Fremd"wörter kennst du, die das Deutsche übernommen hat, z.B

- aus dem Französischen    - aus dem Englischen    - aus dem Italienischen 

Kennst du auch ihre Entsprechungen im Französischen, Englischen und/oder in anderen Sprachen? Erstelle eine Liste
(Du kannst sie nach den Herkunftssprachen der Wörter sortieren, also z.B. Arabisch, Englisch, Französisch, Latein, Russisch, usw.)

Mit solchen Listen kann man sich ein breites Fundament von Wörtern und ein Vielfaches an Ableitungen, Zusammensetzungen und Assoziationen bewusst machen und ins Gedächtnis (zurück)rufen.

 Trage sie in dein Logbuch ein!


A. Die folgenden Wörter wurden aus dem Deutschen ins Russische entlehnt. Kannst du sie erkennen? 

рюкзак - ландшафт - автобан

Rucksack - Landschaft - Autobahn

B. Weißt du, aus welcher Sprache das Deutsche die folgenden Wörter entlehnt hat?

Giraffe - Matratze - Mokka - Sofa - Safari - Zucker

So sehen die Wörter in ihrer Originalsprache aus: 

سفر - صفة - مخا - مِطْرَح - زرافة - سكر 

Hier sieht man, dass die geschriebene Sprache keine Hilfe ist, wenn man die Schriftzeichen nicht kennt. Gesprochen kann man die Wörter, die man aus dem Deutschen kennt, aber wiedererkennen.
Im Wortschatz des Deutschen finden sich viele Wörter aus den verschiedensten Sprachen.