Hier werden die wichtigsten Fachbegriffe kurz und knapp erklärt, damit du die Texte des EuroComCenters besser verstehen kannst. (Es handelt sich dabei nicht um umfassende wissenschaftliche Definitionen. Solche sind beispielsweise bei Meissner (2004) zu finden.)
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Glossar
Assoziationshilfe: Hilfestellungen im Mehrsprachentraining, die die Verbindung des vorhandenen Wissens zu einem (vermeintlich) unbekannten Wort und damit die Erschließung erleichtern sollen.
Deklarative Transferbasen: Inhaltliches Wissen, z.B. über sprachliche Strukturen und Regeln, das Lernende aus einer Sprache auf eine andere übertragen können, um diese zu erschließen.
Desiderat: wünschenswerter Zustand, zu füllende Lücke.
Deskriptoren: beschreiben Elemente von Sprachkenntnissen und -fertigkeiten zur Einschätzung von Kompetenzen, z.B. im GER.
Didaktischer Monitor: hier werden beim Sprachenlernen aufgebautes Wissen und Lernerfahrungen gesammelt und die Informationen miteinander abgeglichen (Monitoring). Das ist die Grundlage für die Speicherung der lernrelevanten Informationen.
Diskursiv: Alles, was einen Gesprächs‑ oder Textzusammenhang betrifft, z.B. Sprache in Diskussionen, Reden oder geschriebenen Texten.
Disponibilität: Verfügbarkeit oder Nutzbarkeit - Lerner können i.d.R.nicht alle sprachlichen Ressourcen nutzen, um z.B. zu verstehen oder zu sprechen, weil sie nicht abrufbar sind.
Doublette: Zwei Wörter in einer Sprache, die auf dieselbe Ursprungsform zurückgehen, sich aber unterschiedlich entwickelt haben (in Form, Aussprache oder Bedeutung, z.B. lat. nativum wird zu frz. naif (dt. naiv) und nativ (dt. angeboren).
Ergänzungswortschatz: Teil des Panromanischen Wortschatzes; umfasst 227 Wörter, die im Grundvokabular von fünf bis sieben romanischen Sprachen vorkommen, sowie 33, die in acht Sprachen vorkommen.
Explikativ: erklärend, aufklärend.
Explizites Sprachwissen: Bewusst erlerntes Wissen in oder über Sprache, zum Beispiel Grammatikregeln, Fachbegriffe oder Lautgesetze.
Falscher Freund: Wort, das in einer anderen Sprache ähnlich aussieht wie ein bereits bekanntes, aber eine andere Bedeutung hat und deswegen zu Missverständnissen führen kann, z.B. ähnelt fr. ampoule dem dt. Ampulle, meint aber Glühbirne.
Gelehrtenlatein: vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit vor allem von Gelehrten und in der Kirche genutzte Form des Lateinischen, s. auch Latein und die Romania.
GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen): definiert und beschreibt die Niveaustufen von Sprachkompetenzen als Grundlage der europäischen Bildungssysteme (s. auch GER).
Haupttonvokal: Der Vokal einer Silbe oder eines Wortes, der am deutlichsten betont wird.
Hypothesengrammatik: Annahmen, die Lernende eigenständig über das Funktionieren einer Sprache aufstellen, z.B. zu grammatischen Strukturen; sie werden im weiteren Lernprozess fortwährend überprüft und angepasst.
Infix: Ein Element, das innerhalb eines Wortes eingefügt wird, um dessen Bedeutung oder Form zu verändern; s.a. Präfix (vor dem Wort) und Suffix (hinter dem Wort), s. auch 7. Sieb – Eurofixe.
Interaktional: beim aktiven Austausch zwischen Menschen, z.B. bei der Kommunikation.
Interlingual: zwischen verschiedenen Sprachen, z.B beim Sprachenvergleich.
Internationale Wörter/Internationalismen: Wörter, die in mindestens zwei Sprachfamilien in ähnlicher Bedeutung vorkommen, z.B. dt. Information, Hotel oder Hospital, s. auch 1. Sieb – Internationaler Wortschatz.
Intralingual: innerhalb einer Sprache (nicht zwischen verschiedenen Sprachen: interlingual).
Klassisches Latein: Schriftform des Lateinischen (Bildungssprache etwa vom 1. Jh. v. Chr. bis 2. Jh. n. Chr.), s. auch Latein und die Romania.
Kohäsionspolitik: Maßnahmen und Strategien, die Zusammengehörigkeit und Verständigung fördern sollen, z.B. durch Förderung der Mehrsprachigkeit in mehrsprachigen Gesellschaften.
Komparativ: Steigerungsform von Adjektiven, z.B. dt. größer, fr. plus grand, sp. más grande, s. auch 6. Sieb – Morphosyntax.
Kompositum: Ein neues Wort, das durch Kombination mehrerer einzelner Wörter entsteht, z.B. dt. Lebensversicherung = Leben + Versicherung oder fr. assurance maladie = assurance + maladie.
Kursorisches Lesen: Lesetechnik zur schnellen Texterschließung, die Inhalt und Struktur grob erfasst; dient dem Überblick, nicht dem Detailverständnis, auch genannt: Text überfliegen, skimmen.
Lernökonomisch: mit möglichst geringem Aufwand wird ein möglichst großer Lernerfolg erzielt.
lesser‑used‑languages: Sprachen mit geringer regionaler Verbreitung und/ oder kleineren Sprechergruppen.
Lingua franca: Verkehrs- oder Hilfssprache zur Verständigung zwischen verschiedensprachigen Sprechern.
Mediation: Vermittlung sprachlicher und kultureller Inhalte zwischen Personen oder Gruppen, die keine gemeinsame Sprache teilen; zielt ab auf situationsangemessene Verständigung und interkulturelles Verstehen.
Mehrsprachenspeicher: Inneres mentales Netzwerk, in dem Wissen und Können aus mehreren Sprachen gemeinsam gespeichert und aktiviert werden.
Mentale Aktivierung: Einsatz von Vorwissen, Aufstellen von Hypothesen und innere Reflexion im Sprachlernprozess.
Metakognition, metakognitiv: Das Nachdenken über das eigene Denken und Lernprozesse; kann zur Steuerung und Optimierung des Lernens genutzt werden.
Metakognitive Strategien: Techniken, bei denen Lernende bewusst ihr eigenes Lernen überwachen, anpassen und steuern, um effektiver zu lernen.
Minderheitensprachen: Sprachen, die von einer kleinen Gruppe innerhalb einer größeren sprachlichen oder kulturellen Gemeinschaft gesprochen werden.
Mnemotechnisch: Methoden oder Hilfsmittel, die die Merkfähigkeit verbessern, z.B. Eselsbrücken, Reime, Bilder etc.
Monolingual: (nur) eine Sprache verwendend.
Nebentonvokal: Vokal in einer Silbe, der nicht die Hauptbetonung trägt.
Neologismen: Neue Wörter oder Ausdrücke, die in einer Sprache entstehen, oft durch technische oder gesellschaftliche Veränderungen und unter Einfluss anderer Sprachen.
Operationalisierung: eine beobachtbare Verhaltensweise, durch die ein Lernerfolg konkret messbar gemacht werden kann.
Optimiertes Erschließen: Zentrale Strategie des EuroCom-Ansatzes, wonach alle sprachlichen und außersprachlichen Ressourcen genutzt werden, um vermeintlich ‚fremde‘ Sprachen optimal entschlüsseln zu können, s. auch Optimiertes Erschließen.
Plurikulturell: mehrere Kulturen umfassend.
Plurilingual: dt. mehrsprachig, bezieht sich auf die individuelle Ebene, also z.B. eine Person, im Vergleich zu multilingual, das die gesellschaftliche oder institutionelle Ebene betrifft.
Positiv: Die Grundform eines Adjektivs, z.B. dt. groß, fr. grand (die dann weiter im Komparativ, größer, fr. plus grand, und Superlativ, dt. am größten, fr. le plus grand, gesteigert werden kann, s. 6. Sieb – Morphosyntax).
post‑reading‑activities: Aufgaben, die nach dem Lesen eines Texts bearbeitet werden, um das Verständnis zu vertiefen, zur Diskussion anzuregen oder angewendetes Wissen zu festigen.
Präfix: Ein Wortteil, der an den Anfang eines Wortes gesetzt wird, um dessen Bedeutung zu verändern. Beispiel: dt. un-möglich oder fr. im-possible (s. 7. Sieb – Eurofixe).
pre‑reading‑activities: Aufgaben, die in Vorbereitung auf das Lesen eines Texts bearbeitet werden, um Vorwissen zu aktivieren, Erwartungen zu wecken oder sprachliche Mittel einzuführen.
Produktive Kompetenzen: Fähigkeiten und Fertigkeiten, sich mündlich und/oder schriftlich auszudrücken.
Profilwörter: Wörter in einer Sprache, die wenig oder keine Gemeinsamkeiten mit anderen Sprachen aufweisen und daher nicht transparent sind, z.B. fr. avec oder d’abord, s. auch Profilwörter.
Progression: schrittweise Entwicklung, didaktisch motivierte Anordnung von Lerninhalten (im Sprachenunterricht zur systematischen Kompetenzsteigerung).
Protoromanische Varietäten: Frühe romanische Sprachformen mit vielen Gemeinsamkeiten, die die Grundlagen für die einzelnen romanischen Sprachen darstellen, wie wir sie heute kennen, s. auch Latein und die Romania.
Prozedurales Wissen: Wissen darüber, wie bestimmte Abläufe funktionieren, durch Übung und Wiederholung erworben, etwa wie man einen Schuh bindet.
Rezeptive Kompetenzen: Fähigkeiten und Fertigkeiten, Sprachen hörend oder lesend zu verstehen.
rich language environment: reiche und vielfältige Sprachumgebung, die sich lernförderlich auswirkt. Im EuroComCenter stehen beispielsweise mehrere Sprachen, unterschiedliche Formate und verschiedene aktuelle Themenbereiche zur Auswahl, die nach Interesse und Motivation bearbeitet werden können.
Romanische Steigerung: Steigerung von Adjektiven nach dem (gemeinsamen) Muster der in romanischen Sprachen (Positiv/Komparativ/Superlativ), s. auch 6. Sieb – Morphosyntax.
Sieben Siebe: Begriff aus der Interkomprehensionsdidaktik (EuroComRom); bezieht sich auf die systematische Darstellung der Ähnlichkeiten zwischen den romanischen Sprachen in sieben Bereichen, von der Lexik über Schrift und Aussprache bis hin zu den grammtischen und syntaktischen Strukturen (s. auch 7 Siebe).
Sprachfamilie: Gruppe typologisch verwandter Sprachen, d.h., die einen gemeinsamen Ursprung und ähnliche Merkmale teilen, z.B. die romanische, germanische oder slawische Sprachfamilie.
(Sprach-)Ressource: Alle möglichen Formen von Wissen und Können, die beim Lernen genutzt werden können.
Suffix: Element (gebundenes Morphem) am Ende eines eines Wortes, das Bedeutung und/oder Wortart verändern kann, z.B. fr. -ette in maisonette (s. 7. Sieb – Eurofixe).
Superlativ: Höchste Steigerungsform eines Adjektivs, z.B. dt. am größten, fr. le plus grand, sp. el más grande, s. auch 6. Sieb – Morphosyntax.
Systematisierungshilfe: Hilfestellung im Mehrsprachentraining, um Wörter und Elemente eines Texts systematisch den Sieben Sieben zuzuordnen und damit das optimierte Erschließen zu unterstützen.
Transfer: Übertragung bekannter (sprachlicher) Strukturen oder Wissensbestände aus einer bekannten Sprache oder Situation auf eine neue, z.B. aus dem dt. intelligent die Bedeutung des frz. Wortes intelligent ableiten, s. auch Optimiertes Erschließen, Transferressourcen.
Transferinventare - Transferressourcen: die Sieben Siebe sind die linguistischen Transferinventare der romanischen Sprachen. Sie verbinden Ähnlichkeiten und Regelmäßigkeiten vom Wortschatz über Lautentsprechungen und Schreibweisen bis hin zu Satzbau und Grammatik/Morphologie, die beim Sprachenlernen auf vermeintlich fremde Sprachen übertragen werden können. Beim Optimierten Erschließen werden die vorhandenen Inventare aktiviert und bilden so die zentralen Ressourcen für das transferbasierte Arbeiten, s. auch Optimiertes Erschließen, Transferressourcen.
Transversal: übergreifend, über mehrere Sprachen, Disziplinen oder Bereiche hinweg
Varietät: Sprache, die vom sog. Standard abweicht, z.B. Dialekt, Jugendsprache oder individuelle Sprechweise.
Vulgärlatein: das Kontinuum des gesprochenen Latein, das die römischen Eroberer über mehrere Jahrhunderte verbreiteten und dessen verschiedene Formen die Grundlage der heutigen romanischen Sprachen sind, s. auch Latein und die Romania.
While‑reading‑activities: Aufgaben, die während des eigentlichen Lesens eines Texts bearbeitet werden, das Verständnis überwachen, dem Abgleich von Hypothesen aus pre-reading-activities dienen etc.